GEW HOF
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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Oberfranken
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft                                                  Oberfranken

 

 

Würden unsere Schulministerien die Erkenntnisse pädagogischer Wissenschaftler*innen zur schulischen Leistungsbewertung ernst nehmen, müssten sie die Ziffernnoten-Bewertung unverzüglich verbieten. Denn Ziffernnoten sind untauglich,

- weil sie auf Prüfungssituationen gründen, die von höchst unterschiedlichen Schüler*innen
                                verlangen, i.d.R. die selben Aufgaben in der selben Zeit zu bearbeiten.

- weil sie in hohem Maße subjektiv gefärbt sind und nicht selten Fehler der Bewertenden  
                                                                                                                             enthalten.

Zudem sind Ziffernnoten schädlich,

- weil sie den Blick der Lernenden weglenken von den Inhalten und Methoden hin zur
  Fremdbewertung. Diese wird v.a. als (gewährte oder verweigerte) Eintrittskarte in berufliche
  Laufbahnen gesehen und entwertet damit die Lernwege.

- weil sie auf der Illusion aufbauen, die Lernenden müssten sich nur genügend anstrengen,
  um bestmögliche Leistungen zu erzielen. Damit werden viele Lernende häufig psychisch
  belastet und demotiviert. So tragen Ziffernnoten entscheidend dazu bei, schulisches Lernen
  zu verleiten, statt dieses als bereichernde Erfahrung zu erleben.

- weil durch die Benotung Lernende (wie auch deren Eltern) leicht zu Gegner*innen der   
  Lehrer*innen werden können, wenn sie Bewertungen (zu Recht oder zu Unrecht) als unfair
  bzw. als persönliche Abwertung betrachten.

 

Der folgende Reflexionsbogen bietet eine klare Alternative zum üblichen Zeugnis,

- da er die unbeeinflusste Selbsteinschätzung der Lernenden an den Anfang stellt und erst
                                                         danach die Fremdeinschätzung der Lehrkraft vorsieht.

- da er die Befindlichkeit der Lernenden in den Mittelpunkt stelllt und nicht die Erfüllung einer
  willkürlichen und entfremdeten Leistungsanforderung.

 

Er bietet auch eine Alternative zum Leistungsbericht.

Dieser bewertet zwar nicht mit Ziffernnoten, aber per Text. Auch dieser stellt eine Fremdbewertung dar und fordert viel Zeit bei der Erstellung, die im Kontakt mit Lernenden viel sinnvoller angelegt wäre. Zudem ist ein Leistungsbericht weniger schnell erfassbar und kann von unterschiedlichen Adressaten ganz unterschiedlich interpretiert werden.

 

Auch wenn so ein Reflexionsbogen noch nicht als Ersatz für die üblichen Zeugnisse anerkannt wird, kann er Lernenden schon jetzt helfen, sich über eigene Stärken und Schwächen klarer zu werden und im Gespräch mit der Lehrkraft und Erziehungsberechtigten konstrukive Folgerungen zu ziehen.

 

Verfasst im Juli 2019 von

Ernst Wilhelm, stellv. Vorsitzender der GEW Oberfranken,

Beispiel eines Reflexionsbogens an Grundschulen:

Ich heiße ______________________________
So ging es mir in der ____ Klasse:

                         
 Datum:_____________________                                        (Schulstempel)

 


Ich schreibe ein S zwischen die Wörter links und rechts auf jeder Linie dorthin, wo es meiner Meinung nach am besten passt.
Wenn meine Lehrerin / mein Lehrer das ebenso sieht, umkreist sie / er mein S. Hält sie / er eine andere Stelle für zutreffender, ergänzt sie / er dort ein L:


 

Texte in deutscher Sprache vorzulesen fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer


Texte in deutscher Sprache zu verstehen fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer


Texte zu schreiben fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer


Die deutsche Rechtschreibung fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer
 


Kopfrechnen fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer


Schriftliches Rechnen fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer


Sachaufgaben auszurechnen fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer


Geometrische Berechnungen fielen mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer

 


Englisch zu sprechen fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer


Englisch zu verstehen fiel mir meistens

leicht ------------------------------------------------------------ schwer

Englisch vorzulesen fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer


Englisch zu schreiben fiel mir meistens

leicht ----------------------------------------------------------- schwer
 


Handwerklich arbeitete ich meistens

gerne ----------------------------------------------------------- nicht gerne


Künstlerisch arbeitete ich meistens

gerne ----------------------------------------------------------- nicht gerne



Am Sportunterricht beteiligte ich mich meistens

gerne ----------------------------------------------------------- nicht gerne


Am Musikunterricht beteiligte ich mich meistens

gerne ----------------------------------------------------------- nicht gerne


Am Ethikunterricht / Religionsunterricht beteiligte ich mich

gerne ------------------------------------------------------------- nicht gerne

 

An der Arbeitsgemeinschaft ______________________________ beteiligte ich mich 
gerne ------------------------------------------------------------- nicht gerne

 


Gegenüber Mitschülerinnen und Mitschülern verhielt ich mich meistens
freundlich     ---------------------------------------------------------- unfreundlich

 

zuverlässig   ---------------------------------------------------------- unzuverlässig
 

rücksichtsvoll ---------------------------------------------------------- rücksichtslos


selbstsicher   ----------------------------------------------------------- unsicher
 

___________----------------------------------------------------------- ___________

 


Meine Aufgaben in der Schule bearbeitete ich meistens


zügig         ---------------------------------------------------------- langsam
 

sorgfältig    --------------------------------------------------------- nachlässig
 

konzentriert -------------------------------------------------------- unkonzentriert
 

_________ --------------------------------------------------------- _____________



Insgesamt gesehen gefiel mir die Zeit in der Schule
 

sehr gut ----------------------------------------------------------- gar nicht
 

Was mir gar nicht gefiel:

_______________________________________________________

_______________________________________________________

_______________________________________________________



 

 

Was mir sehr gut gefiel: 

_______________________________________________________

_______________________________________________________

_______________________________________________________




 

Meine Unterschrift:

__________________________________________________

Die Unterschrift meiner Klassenleiterin / meines Klassenleiters:

______________________________________________________

 

Die Unterschrift der Erziehungsberechtigten:

______________________________________________________

 

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