GEW HOF
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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW Oberfranken
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft                                           GEW Oberfranken

Traditionelles Bezirkstreffen


der GEW Oberfranken:

 

Auch im 3G-Herbst 21 trafen sich
zwei Dutzend Kolleg:innen - diesmal
in der Frankenfarm
in Himmelkron
nahe Bayreuth.

 

Ein Wackelkontakt am Beamer konnte
den Start des halbstündigen Ausschnitts
aus dem hochdekorierten KinoFilm

HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE
nur geringfügig verzögern.
Großes Lob gab es in der anschließenden
Aussprache für das außergewöhnliche
Vertrauensverhältnis, das der L
aufgebaut
hatte
zu seinen S, die in der mittel-
hessischen Kleinstadt
über jede Menge
Migrationserfahrungen verfügen.
Herr Bachmann war selbst ein „Wanderer“
zwischen ganz unterschiedlichen beruflichen

Welten: Soziologiestudium, Arbeit als
Steinmetz, Folksängerzeit,
erst ab Mitte 40
bog er ab zum L-Pult.
Nun wurde er Filmstar durch die Doku der
Regisseurin Maria Speth, die
Herrn
Bachmanns letztes Schuljahr auf fast 3,5h

zusammenschnitt.

So geht Schule“ hatte die SZ ihre Hymne auf
d
iesen L überschrieben. Besser getroffen
hätte
wohl „So gelingt der pädagogische
Bezug“
. Denn die alltäglichen Anliegen der S
waren
für Herrn Bachmann stets wichtiger als
die Vorgaben eines fremdbestimmten
Lehrplans.
Einen Kritikpunkt gab`s
nach dem Film:
Alle Gesprächsfäden liefen (zumindest im
35-Min.-Filmausschnitt) beim L zusammen.
Ein paar Kommentare weniger zu
Äußerungen seiner S hätten gut getan.

 

Angenehme Sonnenstrahlen lockten zum
delikaten Mittagessen in den Restaurant-Hof.


 

Anschließend erinnerte Peter Weiß an unseren
kürzlich verstorbenen
Kollegen Eduard Hertel,
dem in den 1970-ern die Assistentenstelle an
der PH Bayreuth aus parteipolitischen Gründen
weggenommen worden war, der sich gegen mehrere
GG-widrige
Berufsverbotsverfahren der bay. Reg.
wehrte - erfolgreich auch deshalb, weil sich die
Eltern seiner S nachdrücklich für seine Weiterbe-
schäftigung einsetzten.
Eduard wurde in den
örtlichen Personalrat im Landkreis Bayreuth
gewählt und
engagierte sich zeitlebens im
Naturschutz und als Antifaschist.

 

Früher war d`Zukunft a besser“. Dieses Zitat

von Karl Valentin diente als Motto für den
nächsten Abschnitt des Bezirkstreffens.
Dazu lag den TN eine Zusammenstellung aus,
die Kollege Dr. Fritz Reheis zu den Gedanken-
gebäuden von Hegel, Marx, Bloch und Negt
verfasst hatte (Anhang unten).

 

 

Kerstin stellte Thesen aus dem Buch von
Rutger Bregmann IM GRUNDE GUT (2019)
vor. „Bregmann weist in seinem Buch an vielen
Beispielen nach, dass der Mensch an sich
besser s
ei, als viele Menschen meinen“
(häufiges Narrativ: der Mensch sei schlecht
und misstrauisch und m
üsse deshalb in
Grenzen gehalten werden
). Bregmann
dagegen zeigt auf, dass der Mensch an sich
hilfsbereit und kooperativ ist – weshalb sich
der Homo sapiens gegenüber anderen

Spezies durchgesetzt hätte. Für die Zukunft,
betont Bregman, werden die Menschen
diese Fähigkeiten brauchen, um die großen
Herausforderungen gemeinsam bewältigen
zu können. In „Agora-Schulen“ und anderen
freien Schulen sieht der Autor die Idee
umgesetzt, junge Menschen im Sinne
der Kooperation und in gegenseitiger
Verantwortung zu erziehen.

 

Nach diesem „sehr viel Hoffnung machenden
Buch und Augenöffner für Pädogogen“
ergänzte Kerstin ihren Beitrag durch eine
Zusammenfassung der „Spiral Dynamics“
der Autoren Don Edward Beck und
Christopher C. Cowan (2021), einem
„durchaus spannendem, aber auch
provozierendem Buch“.
Deren Autoren wollen ähnlich anderen
Entwicklungspsycholog:innen eine
moralische Werteentwicklung entlang
einer Spirale festgestellt haben. Sie gehen
davon aus, dass der Mensch, seine
Institutionen und ganze Gesellschaften
sich entlang dieser Spirale moralisch
ständig weiterentwickeln. Nur in
bestimmten Situationen falle der Mensch
in eine der Vorstufen zurück, um
dann aber in großen Schritten sich weiter
nach vorne zu bewegen, hin zu einem
umfassend denkenden und handelnden
integrativem System.


 

Im Juli 2020 veröffentlichten
Klaus Schwab und Thierry Malleret
COVID 19: DER GROßE UMBRUCH
(engl. Ausgabe: THE GREAT RESET),
aus dem Willi wesentliche Passagen
zitierte. Seine Interpretation: Schwab
will offenbar in allen politischen Lagern
punkten, indem er behauptet, der
Neoliberalismus habe abgewirtschaftet.
Gleichzeitig hält er den Kapitalismus für
das beste aller Wirtschaftssysteme,
warnt aber vor gewaltsamen Revolutionen,
die bei weiter wachsender Ungleichheit
aufflammen könnten. Über sein Versprechen

Du wirst nichts besitzen und glücklich sein!“
lässt sich trefflich debattieren.

 

Andi ergänzte Abschnitte, in denen Schwab
und Malleret wechseln zwischen Aufrufen für
weltweite Anstrengungen zur Schaffung
einer gerechteren, klimaverträglichen
Wirtschaftsordnung einerseits und
erschreckenden Zukunftsbildern zur
steten
Verbindung von Computern und Gehirnen
andererseits - mit dem Ziel permanenter
Kontrolle über Gedanken und Handlungen

möglichst aller Menschen.
Ist das die
Aktualisierung von Orwells 1984?
fragten TN. Nun, im Gegensatz zu Orwell
ist Sch
wab als Gründer des Weltwirtschafts-
forums
(WEF) bestens vernetzt mit reichsten
und damit mächtigen Wirtschaftslenker:innen
sowie mit Politiker:innen und
Medien
akteur:innen der höchsten Ebenen.
Durch seine „Schule“ gingen z.B.
Emanuel Macron, Angela Merkel, Tony Blair,
Bill Gates, Steve Balmer (microsoft),
David Kamenetzky (Goldman Sachs),
Jost Massenberg (Thyssen Krupp),
Stefan Quant (BMW), Mathias Döpfner (Springer)
Sandra Maischberger, Anderson Cooper (CNN)…

 

In seiner Nachwuchsorganisation der YOUNG
GLOBAL LEADERS
befinden sich aktuell z.B.
Jens Spahn und Annalena Baerbock.

Wenn Geld- und Medienmacht gemeinsam
agieren, lassen sich wie aus dem Nichts
Menschen nach oben schieben oder man
lässt sie überraschend „abstürzen“. Steuerräder
werden ihnen in die Hand gegeben oder aus
der Hand genommen. Klaus Schwab
selbst
hat dabei vermutlich nicht die Rolle des
Dirigenten inne. Als Gastgeber bei den jährlichen
Treffen des
world economic forum ist er jedoch

mehr als bloße Randfigur. Es könnte sein, dass
er in seinem und Mallerets Buch ein bisschen
mehr ausplauderte, als seine WEF-Gäste dies
goutieren. Nun, wie werden es ihm verzeihen,
solange sich Wirtschaft und Gesellschaft in
ihrem Sinn verändern.

 

Nach der Kaffeepause setzte sich eine Gruppe
von Kolleg:innen zusammen, um Ideen für kurze
Filmchen zu sammeln. Vorgeschlagen wurden
z.B. Aufnahmen von best-practice-Beispielen,

von selbst aufgeführten Straßentheaterszenen
oder einfach von aussagekräftigen Passagen
aus Artikeln und Büchern. Die TN waren sich

dabei einig: Nichts muss, alles kann -
besonders das, was mehr Energie schenkt
als es
Anstrengung kostet.



Die Mehrzahl der TN entschied sich für die
parallel laufende handpan-Gruppe unter der
Anleitung von Petra Eisend

(http://www.drum-experience.de)
Ohne ihre Tipps wäre es kaum möglich gewesen,
dem originellen Instrument wohlklingende Töne
zu entlocken.
Am Ende der Tagung gestaltete
Frau Eisend einen wunderbaren Ausklang
auf
ihrer
handpan.

 

 

Hier der Anhang zum Bericht:


Dr. Fritz Reheis
für die Bezirkskonferenz der GEW Oberfranken 2021:

 

Besser oder schlechter?
 

Alles eine Frage der Dialektik!

 

 

Weder der Mensch noch die Gesellschaft werden mit der Zeit immer besser oder schlechter. Es kommt auf die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Gesellschaft an. Diese Wechselwirkungen folgen dem Muster These, Antithese, Synthese: der Mensch macht Erfahrungen, Gegenerfahrungen, lernt aus beiden und wird dadurch klüger. Ursprung und Antrieb der Entwicklung ist die dialektische Selbstbewusstwerdung des Weltgeistes, Ziel und Resultat ist die Versöhnung von Widersprüchen (Liebesfähigkeit ermöglicht Liebeserfahrung, diese steigert wiederum die Liebesfähigkeit) und der Zuwachs an Freiheit (Freiheitsfähigkeit ermöglicht Freiheitserfahrung, diese steigert wiederum die Freiheitsfähigkeit). Das ist der Kern der von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) vertretene dialektische Auffassung von Entwicklung.

 

 

Karl Marx (1818-1883) greift den dialektischen Entwicklungsgedanken auf, ersetzt aber den Weltgeist durch die Arbeit bzw. Produktion, durch die der Mensch die Mittel für sein Leben und damit die Gesellschaft und deren Widersprüche erst hervorbringt. Wie Hegel so ist auch Marx davon überzeugt, dass die dialektische Entwicklung letztendlich zur Aufhebung von Widersprüchen und zur Befreiung des Menschen von menschengemachten Zwängen führt.
Was den Kapitalismus betrifft, so kommt es Marx zufolge darauf an, den spezifischen Widerspruch der Produktion in dieser Wirtschaftsordnung zu verstehen. Der Widerspruch des Kapitalismus besteht für Marx darin, dass sich die Produktion im Zusammenwirken der Menschen (Kooperation, Entwicklung der Technik) vollzieht, die Resultate der Produktion (also die Produkte bzw. Werte) jedoch privat angeeignet werden (und die Produktion auch privat geplant wird). Erst wenn dieser Widerspruch zwischen der Gesellschaftlichkeit der Produktivkräfte und der Privatheit der Produktionsverhältnisse stark genug ausgeprägt und als solcher allgemein bewusst geworden ist, kann er nach Marx überwunden werden. Dann erst sprengen die kapitalistischen Produktivkräfte die Fesseln der kapitalistischen Produktionsverhältnisse – und andere Verhältnisse können an ihre Stelle treten.

 

 

Obwohl Ernst Bloch (1885-1977) diese Analyse grundsätzlich teilt, interessiert er sich stärker als Marx für das Bewusstsein. Bloch ist davon überzeugt, dass das Bewusstsein nicht nur das bewusste Sein des Menschen ist, sondern neben der Widerspiegelung der Realität auch einen Überschuss in sich trägt: einen Vorschein jenes Lebens, das nach dem Ende des Kapitalismus möglich wird. Dazu gehören Vorstellungen und Gefühle wie Heimat, Geborgenheit, Wärme und Freiheit.
Dieser Vorschein (das Noch-nicht-Gewordene) zeigt sich nach Bloch in der Religion, in der Kunst, in Tagträumen und generell in Utopien. Utopien sind für ihn wichtige historische Triebkräfte der Befreiung von den Zwängen des Kapitalismus. Bloch kritisiert jedoch abstrakte Utopien, die ohne Bezug zur Analyse des Kapitalismus formuliert und vertreten werden. Nur eine „konkrete Utopie“ kann zur Grundlage des „Prinzips Hoffnung“ werden.

 

 

Oskar Negt (geb. 1934) knüpft an Bloch an, indem er die wachsende Bedeutung von Utopien in unserer Gegenwart betont: Je perspektivloser die Realität, desto realistischer die Utopien. Wichtig ist Negt zufolge, die „soziologische Phantasie“ zu entfalten und den Möglichkeitssinn zu beflügeln – eine zutiefst pädagogische Aufgabe. Sie muss an den aktuellen Krisen (NB: auch Pandemien gehören dazu!) ansetzen, die vom Menschen gemachten Ursachen herausarbeiten (Widerspruch zwischen Gesellschaftlichkeit und Privatheit) und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sie überwunden werden können.


 

 

 

 

Die Schockstrategie geht weiter

 

Nach LOCKDOWN - NICHT NOCHMAL!  (siehe Auszug unten) legen KLARtext und das Rhein-Main-Bündnis eine zweite "Streitschrift zur Sache" vor:

 

Die gewerkschaftlich aktiven Autoren analysieren zentrale Behauptungen, mit denen die Not­wendigkeit von Lockdowns und massiven Freiheitseinschränkungen begründet werden, stellen zahlreiche Übertreibungen, Halbwahrheiten und Desinfor­mationen bei den offiziellen und medial verstärkten Rechtferti­gungen fest und benennen maßlose Verleumdungen und offene Unterdrückung von Kritik.

 

Bestellungen unter     dvs@dvs-buch.de


 

Auszug aus Frankl/Roth/Weißert, LOCKDOWN - Nicht nochmal! KLARtext e.V. 2020, S. 87-90:

Ebenfalls zu empfehlen: die Artikel von Prof. Dr. Klaus Weber "Crisis? What Crisis?"

und von Wolfgang Veiglhuber "Gewerkschaften - wie weiter in Zeiten von Corona?" beide in der DDS vom Juni 2020:

https://www.gew-bayern.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/dds-2020-06

Ist Bayerns Schulpolitik in 7 Min. erklärbar?
8 Puppen des Bamberger Marionettentheaters versuchen`s:


https://www.youtube.com/watch?v=4V0CA-2tunw

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