GEW HOF
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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW Oberfranken
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft                                           GEW Oberfranken

 

 

 

 

 

GEW stellt Fragen zum

 

Gesundheitsschutz

 

 

„Gegen das Corona-Virus fahren unsere Regierungen schwerste Geschütze auf, spannen billionenschwere Rettungsschirme, schränken gleichzeitig Grundrechte ein. Gewerkschaften forderten von Anfang an wirksame Unterstützung besonders für die finanziell Schwächeren und die Bereitstellung der in den amtlichen Vorgaben genannten Schutzmaßnahmen an den Arbeitsplätzen. Darüber hinaus stellt der Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Oberfranken mehrere Fragen dazu, wie viel den Regierungen künftig gesunde Lebensverhältnisse wert sind:
 

- Was unternimmt das Verkehrsministerium gegen innerstädtische Abgas- und Feinstaubbelastungen, die jährlich zigtausenden Menschen das Leben kosten?
Wird sich Herr Scheuer weiterhin gegen schärfere Geschwindigkeitsbeschränkungen wehren, obwohl die Gewerkschaft der Polizei überhöhte Geschwindigkeiten als das „größte Todes- und Verletzungsrisiko auf den Straßen“ sieht?

 

- Wird die bay. Staatsregierung wie in den vergangenen 20 Jahren die gesetzlichen Bestimmungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in staatlichen Schulen weiter missachten?
Lehrkräfte z.B. können immer noch keinen persönlichen Kontakt zu Betriebsärzt*innen aufnehmen, wenn sie einen Zusammenhang zwischen Krankheitssymptomen und ihrer Situation am Arbeitsplatz befürchten. Auch
umfassende Gefährdungsbeurteilungen sucht man an unseren staatlichen Schulen vergeblich!

 

- Werden schwerwiegende psychosoziale Belastungen für schwächere Schüler*innen künftig ernst genommen und die Test- und Notenflut in den Schulen endlich auf den Prüfstand gestellt? Oder gilt weiterhin die Erwartung, dass Schüler*innen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten zur gleichen Zeit die gleichen Leistungen abliefern sollen?
Werden die kaum überraschenden Unterschiede in den Ergebnissen weiterhin mit sechs Notenstufen bewertet und dazu benutzt, um Kinder in Schularten mit ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Wertigkeit zu sortieren?

 

- Wird weiterhin öffentliche Werbung für Alkohol und Zigaretten erlaubt sein - trotz all deren verheerenden Auswirkungen?

 

- Wird die Bundesregierung auch in der Frage des Klimawandels endlich die von den meisten Wissenschaftler*innen als höchst dringlich bezeichneten Maßnahmen ergreifen?
„Für den Schutz der Umwelt sind keine Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote nötig, keine Schließung von Läden und gastronomischen Betrieben - allerdings brauchen wir den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien sowie spürbare Strafen im Falle der Vergiftung des Bodens, der Luft, des Wassers und der zwischenmenschlichen Kommunikation!“ erklärt Ernst Wilhelm, Vorsitzender der GEW in Bamberg.

Außerdem fordert die GEW radikale Kürzungen im Rüstungsetat und eine Sonderabgabe der Milliardäre und Multimillionäre, damit die riesige Steigerung der Staatsschulden im Zuge des Corona-Lockdowns nicht – wie üblich - der Mehrheit der Bevölkerung aufgebürdet wird.
Prekäre Lebensverhältnisse und soziale Ungerechtigkeit fügen dem Zusammenhalt und dem Wohlbefinden der Bürger*innen enormen Schaden zu.
Nun wird sich zeigen, welche Politiker*innen ihr Mantra vom Vorrang der Gesundheit so ernst meinen, wie sie es täglich verkünden,“ so Wilhelm.

 

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Siehe dazu auch die Artikel von Prof. Dr. Klaus Weber "Crisis? What Crisis?"

und von Wolfgang Veiglhuber "Gewerkschaften - wie weiter in Zeiten von Corona?" in der DDS vom Juni 2020:

https://www.gew-bayern.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/dds-2020-06

 

Was sagt Konstantin Wecker
 

zum Umgang mit dem Virus ?
 

Hier einige Textpassagen aus Weckers aktualisiertem WILLYsong bei seinem beeindruckenden streaming-Konzert im Corona-April 2020:

 

 

...die Welt ist von einem Virus befallen
und alles, was bisher gültig war,
ist auf den Kopf gestellt…

 

noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik

sind die Grundrechte so umfassend
und so radikal eingeschränkt worden!

Und was mir besonders Angst macht, ist,

dass es z.B. nie eine Diskussion gegeben hat
über Alternativen zur Aussetzung der Grundrechte…

 

Und all diesen Politikmachos,

die sich derzeit so als Überväter aufspielen weltweit,

traue ich jederzeit zu, dass sie diesen Zustand

der Angst und Einschränkung nur allzugern behalten wollen,

diesen Zustand eines Staates, in dem Demonstrationen

verboten sind und Kultur in den tiefsten Schubladen

der Bürokratie verschwindet.

Wir müssen aufpassen, höllisch aufpassen!

 

Gestern hamm`s die Freiheit derschlongn

und heit und heit und heit…

 

Aber vielleicht bin ich ja trotzdem

meinem Traum von einer herrschaftsfreien

liebevollen und solidarischen Welt

näher als jemals zuvor?

Meinem Traum von einer Gesellschaft

ohne Ausbeuter und neoliberale Profiteure,

ohne Waffenhändler und ohne Faschisten,

Rassisten und Kriegstreiber.

 

Vielleicht erkennen erst jetzt viele Menschen

diese neoliberale Diktatur,

der sie jahrzehntelang aufgesessen sind?

Unsere ach so fürsorglichen Politiker

haben über Jahrzehnte die Gesundheitssysteme

zum Zweck maximaler Profite kaputt privatisiert

und vor allem haben sie keinen Plan

zum Schutz aller Menschen für eine solche Krise vorbereitet,

vielleicht einfach, weil sie daran nichts verdient hätten?

 

Statt nach einem starken Führer zu schreien,

sollten wir uns selbst an die Hand nehmen und aufpassen,

dass wir nicht denen, die sich jetzt als Herren über

jedes Gesetz aufspielen, in Zukunft vertrauen.

Für viele Herrschende ist doch das, was z.Z. passiert,

eben auch eine perfekte Übung für den dauerhaften

Ausnahmezustand oder gar für den Weg in eine Diktatur?

 

Wir haben unsere Erde aus reiner Profitgier

kaputtgewirtschaftet und merken gerade,

wie sie wieder etwas atmen kann...

In den Großstädten kann man wieder etwas Luft holen.

Vielleicht spüren jetzt viele von denen,

die sich vor nicht allzu langer Zeit

über Greta lustig gemacht haben,

wie Recht diese großartige junge Frau hat.

 

Vielleicht lernen wir jetzt mal diese

überlebenswichtige Solidarität von unten?

Wir müssen wieder wagen zu träumen,

radikal zu träumen und mutig …

 

Was ich erträume ist mehr als eine Revolution,

es ist die totale Umwertung der Werte

unserer wertlosen Gesellschaft!

Es sind Menschen, die miteinander suchen, sündigen,

verzeihen…

Menschen, die sich anlächeln, statt sich im Wettbewerb

um den besseren Job fast umzubringen.

 

Ich will in keiner Gesellschaft leben,

in der all jene am miesesten entlohnt werden,

die die wirklich wichtigen Arbeiten verrichten:

Krankenpfleger/innen, Hospizarbeiter/innen,

Müllarbeiter/innen und noch so viele mehr

Und wo die unwichtigsten Berufe am besten bezahlt werden,

und ich denke, ihr wisst, welche ich meine.

 

Und vielleicht verstehen jetzt viele Menschen in dieser Krise

dass die Güter und Ressourcen dieser Welt allen gehören sollen

Bildung, Gesundheit, Wohnung, sauberes Essen, sauberes Wasser…

Wie konnten wir jemals zulassen, dass Luft, Erde, Wasser

oder der genetische Code von Pflanzen und Tieren

zu Privateigentum gemacht wurden und werden?

 

Jetzt ist doch die beste Gelegenheit über Enteignung zu sprechen

und ganz konkret:

Wir sollten endlich die Türen

der jetzt leerstehenden Luxushotels

überall öffnen für die schutzsuchenden Menschen

aus den Kriegsgebieten dieser Welt...

 

Jetzt ist es an der Zeit, auf die wunderbare Hannah Arendt zu hören:

Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen!

Gehorsam kann nie eine Rechtfertigung sein

für das eigene Handeln oder Nichthandeln!

Wir sollten weltweit Schulen des Ungehorsams gründen!

Jetzt ist es an der Zeit, über die Utopie zu sprechen

einer herrschaftsfreien Welt,

wo der Menschen Miteinander unser Sein zusammenhält!

 

Jetzt können wir erkennen, dass wir alle Wesen einer Gemeinschaft sind

und nicht gemeine Wesen, zu denen uns der Neoliberalismus immer

erziehen wollte.

Und wir müssen jetzt und sofort unsere Stimme erheben

für die Schutzsuchenden, für die Geflüchteten, Gefangenen, Obdachlosen...

 

Freiheit – des hoaßt, koa Angst hamm vor nix und neämands!

 

 

 

 

 

 

 

In Bamberg riefen GEW und BLLV zum Flashmob auf, um gegen Piazolos skandalöse Teil- und Arbeitszeiterhöhung zu protestieren. Am 8. Februar trafen sich knapp 200 Lehrkräfte (Foto: Peter Lang). Sie forderten Entlastung statt weitere Belastung ihrer beruflichen Situation und endlich gleiches Eingangsgehalt für die Kolleg*innen in allen Schularten.

Protestieren Grundschullehrkräfte zu Recht, wenn sie länger unterrichten sollen? Ich meine: Ja! Denn sie haben zusammen mit den Fachlehrkräften die höchste Unterrichtsverpflichtung. Dabei brauchen sie wie alle Lehrkräfte vor gutem Unterricht eine entsprechende Vorbereitungszeit für passende Methoden und geeignetes Material, damit sich die enormen Unterschiede bei den Fähigkeiten der Schüler berücksichtigen lassen (Stichwort: Inklusion).

 

Nach dem Unterricht stehen oft mehrere Stunden für Korrekturen an, die durch ministerielle Vorgaben über die Zahl der schriftlichen Prüfungen teils unnötig hochgetrieben wurden. Zeugnisformulare sehen zwei Seiten persönlich zugeschnittenen Text für jedes Kind vor. Völlig überzogen, meine ich und bin gespannt, wie weit sich der Minister in diesen Punkten bewegen wird.

 

Dazu kommen Gesprächstermine mit Eltern und besonders mit denjenigen Schüler*innen, deren Lern- und Sozialverhalten der Unterrichtsatmosphäre gar nicht gut tun, außerdem der Umgang mit digitalen Lehrmaterialien, Lehrerkonferenzen...

Was da zusammenkommt, ist nicht einfach gefühlte Arbeitszeit, sondern durch verlässliche Untersuchungen belegt: Selbst unter Anrechnung der die Urlaubstage überschreitenden Ferienzeiten arbeiten Lehrer*innen i.d.R. länger als der übrige öffentliche Dienst. Viele Lehrkräfte schafften ihre Aufgaben deshalb nur, weil sie ein Teilzeitmaß beantragen konnten, das ihrer Lebenssituation entsprach, ein Sabbatjahr nehmen oder wenige Jahre früher in den Ruhestand gehen konnten – alles bei entsprechendem Gehaltsverzicht. Und da meint Schulminister Piazolo, er könne einfach was draufpacken?
 

Jahrelang hatte das Ministerium ausgebildete Junglehrer*innen mit guten Abschlüssen abgewiesen - trotz eindringlicher Warnungen der Gewerkschaft. Nicht das Geld fehlte für zusätzliche Stellen, sondern eine verantwortliche Personalplanung und v.a. der politische Wille, bestmögliche Bildungschancen zu bieten.

Jetzt sind zu wenig Absolvent*innen da, um die Personallücken zu füllen. Und das Ministerium? Greift zur untauglichen Arbeitszeiterhöhung! Warum werden überflüssige Lehrplaninhalte nicht gestrichen? Damit ließe sich dann auch der Stundenplan der Kinder vorübergehend geringfügig kürzen, bis wieder genügend Lehrkräfte ausgebildet sind. Sowohl Schüler*innen als auch Lehrkräfte wären dadurch entlastet!

 

Wobei die bayerische Staatsregierung eine wesentliche Entlastungsmöglichkeit völlig ignoriert: die Abschaffung gleicher Prüfungsanforderungen in unseren Schulen, damit die Abschaffung des Übertritts an Realschule und Gymnasium - möglich durch den Aufbau der EINEN GEMEINSAMEN SCHULE, in der alle Schüler*innen entsprechend ihrer persönlichen Fähigkeiten vorankommen  -  ohne Druck und unter Berücksichtigung eigener Zielsetzungen!  Lehrkräfte wären dann Lernberater*innen und ihre Schüler*innen nicht mehr Objekte ministeriell bestimmter Anforderungen! Dann wären Schulen endlich "Häuser des Lernens" statt Institutionen unverantwortbaren Aussortierens.
 

 

Ernst Wilhelm, Vorsitzender der GEW Bamberg                                        Februar 2020

Ist Bayerns Schulpolitik in 7 Min. erklärbar?
8 Puppen des Bamberger Marionettentheaters versuchen`s:


https://www.youtube.com/watch?v=4V0CA-2tunw

Welche Begriffe fehlen im Bericht
zum Bezirkstreffen 2018
der GEW Oberfranken in Hollfeld?

 

 

Die Abdankung von __________, dem letzten König Bayerns, und die Ausrufung des Freistaats durch Kurt _______ vor 100 Jahren nahm die GEW Oberfranken bei ihrem Bezirkstreffen zum Anlass, die Entwicklung der Demokratie in Bayern genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die Flucht der sozialdemokratischen Regierung im April 1919 in die revolutionsferne Stadt _______ und die brutale Zerschlagung der Räterepublik in München v.a. durch ___________ waren Schwerpunkte des Referats von Schorsch Wiesmaier.
Auch auf das Verhalten des Lehrerverbands zu Beginn und nach dem Ende der Nazi-Diktatur sowie die getrennten Wege von Verband und Gewerkschaft ging der Referent ein: Nach dem 2. Weltkrieg entschieden sich die Lehrerverbände der Bundesländer für die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Nur in Bayern beschloss der BLLV im Jahr ______ den Weg zum Beamtenbund und entschied sich damit gegen eine gemeinsame Interessenvertretung. Aufschlussreiche Dokumente dazu sind zu finden unter www.gew-oberfranken.de/historisches


Kollege Manfred Franze (Forchheim) warf in seinem Vortrag regionale Schlaglichter auf die Umbruchjahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs. So berichtete er z.B. von einer großen Protestversammlung der hungernden Bevölkerung in Forchheim im Februar 1919 und von einem Aufruf zur Machtübernahme durch Arbeiter- und Soldatenräte in Hof. In mehreren fränkischen Kommunen wurden ________ gewählt, diese nahmen aber deutlich weniger Einfluss auf die Kommunalpolitik als in den großen Städten.

„Die vereinigte Stärke unserer Bundesgenossen reicht aus, um das Reich der Sowjetunion von der Landkarte streichen zu können.“ Wer hatte diesen arrogant-aggressiven Satz 1956 in Hollfeld von sich gegeben? Das große Vorbild des amtierenden bay. Ministerpräsidenten, nämlich der damalige CSU-Vorsitzende _____________. Dies ergänzte Kollege Peter Weiß (Weiden) zu den historischen und aktuellen Aspekten des oberfränkischen Bezirkstreffens. Danach gab er in seiner Arbeitsgruppe wertvolle Tipps zur Arbeitsweise selbstbewusster Betriebsräte.

 

Rektor Theo Schnörer lobte bei seiner Führung durch die kooperative Gesamtschule Hollfeld  -  die einzige staatliche Gesamtschule Bayerns  -  v.a. das vielfältige Fächerangebot sowie die ausgezeichnete Lernatmosphäre und Schüler*innen-Lehrer*innen-Beziehung. Die 5. und 6. Klassen sind als ______________ angelegt, ab der 7. Jahrgangsstufe müssen die Schüler*innen allerdings den üblichen Schularten zugeteilt werden. Die Kolleg*innen bedankten sich bei Theo Schnörer, dem Schulleiter des Mittelschulzugs, für die Einblicke in seine „Schule der besonderen Art“, für die Bereitstellung der Räume und für die freundliche Bewirtung durch die Mensabetreiberin.

Der Vorsitzende der GEW Oberfranken, Andi Hartmann, sieht nach 100 Jahren „Freistaat“ in Bayern keinen Selbstläufer für die Regierungsform Demokratie: „Es reicht nicht, Regeln der Demokratie im Fach Sozialkunde zu besprechen, ohne sie im Schulalltag einüben zu können. Dürfte in unseren Schulen echte Mitbestimmung und gemeinsames Lernen ohne Aussonderung gelebt werden, würden nicht so viele Menschen anfällig für menschenverachtende Parolen! Der Ausgang der kommenden Landtagswahl ist auch unter diesem Gesichtspunkt eine aufschlussreiche Standortbestimmung für die Stabilität der demokratischen Kultur Bayerns 100 Jahre nach der Ausrufung des Freistaats“. Der bayerischen Staatsregierung gab Hartmann den Rat, doch mal einen Blick in die Bayerische _____________ zu werfen. Da würde sie klare Ziele und Handlungsrichtlinien finden, wie der Reichtum in den Händen weniger zu beschränken ist zugunsten des Wohls der gesamten Bevölkerung. Die Plakatserie der GEW Bayern mit Artikeln aus der Bay. Verfassung sei schon ein paar Jahre alt, aber so aktuell wie eh und je  -  zu finden bei www.gew-oberfranken.de/Plakate

 

 

Die Lösungswörter zum Lückentext:

Ludwig III.  /  Eisner  /  Bamberg  /  Freikorps  /  1969  /  Räte  /  Franz-Josef Strauß  /  Orientierungsstufe  /  Verfassung 

 

Teilzeit ist Teilzeit  -  nicht nur bei der Zahl der Unterrichtsstunden!
 

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

falls Sie sich entschieden haben, (wieder) einen Antrag auf Ermäßigung der wöchentlichen Arbeitszeit zu stellen, dann möchten wir Sie auf die geltende Rechtslage hinweisen. Diese betrifft nicht die aktuellen Einschränkungen des Art. 88 BayBG durch das Schreiben des KM vom 14.12.16, sondern die Klarstellungen durch das höchste deutsche Verwaltungsgericht.

Ganz gleich, ob Sie TZ-Möglichkeiten nach Art. 88 (Antrags-TZ), Art. 89 (familien- politische TZ) oder Art. 91 BayBG (Altersteilzeit) nutzen, nehmen Sie für die Kürzung der Unterrichtsverpflichtung bekanntlich erhebliche finanzielle Einbußen und Kürzungen Ihrer Versorgungsansprüche in Kauf.

Nun machen Teilzeitlehrkräfte die Erfahrung, dass eine Verringerung der Unterrichts- stunden i.d.R. nicht mit einer anteiligen Reduzierung der außerunterrichtlichen Tätigkeiten verbunden ist. Dazu gehören u.a. die regelmäßige Teilnahme an Konferenzen, Fortbildungen, Klassenfahrten, Wandertagen, Elternabenden und anderen schulischen Veranstaltungen – um nur einige zu nennen. Der Umfang der Dienstpflichten der teilzeitbeschäftigen Lehrkräfte entspricht also in der Regel nicht der reduzierten Pflichtstundenzahl, obwohl dies in der Lehrerdienstordnung steht:

LDO § 9a, Abs. 1, Satz 3 beginnt nämlich so: „Bei teilzeitbeschäftigten Lehrkräften soll der verminderte Umfang der Unterrichtspflichtzeit bei der Heranziehung zu Unterrichtsvertretungen und außerunterrichtlichen Verpflichtungen berücksichtigt werden...“
Dann aber geht es mit dem einschränkenden Nebensatz weiter:  „... soweit dies mit pädagogischen Erfordernissen vereinbar ist, die ordnungsgemäße Erledigung der Dienstgeschäfte nicht beeinträchtigt wird und schulrechtliche Bestimmungen nicht entgegenstehen.“

Diese Einschränkungen sind nach Überzeugung der GEW nicht mehr haltbar. Denn das Bundesverwaltungsgericht legt in seinem Urteil vom 16.07.15 (BVerwG 2 C 16.14) nun unmissverständlich klar:

„Teilzeitbeschäftigte Beamte haben einen Anspruch darauf, nicht über ihre Teilzeitquote hinaus zur Dienstleistung herangezogen zu werden. Deshalb dürfen teilzeitbeschäftigte Lehrer in der Summe ihrer Tätigkeiten (Unterricht, Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, Teilnahme an Schulkonferenzen etc., aber auch Funktionstätigkeiten, d.h. nicht unmittelbar unterrichtsbezogene schulische Verwaltungsaufgaben, wie z. B. die Leitung der Schulbibliothek) nur entsprechend ihrer Teilzeitquote zur Dienstleistung herangezogen werden. Das bedeutet, dass der Teilzeitquote entweder bei der Übertragung von Funktionstätigkeiten Rechnung zu tragen ist oder ein zeitlicher Ausgleich durch entsprechend geringere Heranziehung zu anderen Aufgaben erfolgen muss.“
 

Weiter heißt es in diesem höchstrichterlichen Urteil:
Besteht die Arbeitszeit aus mehreren Bestandteilen, muss eine Gesamtbetrachtung erfolgen. Ein Mehr in einem Bereich muss durch ein Weniger in einem anderen Bereich ausgeglichen werden. Der Saldo darf nicht über die sich aus der Teilzeitquote ergebende Arbeitszeit hinausgehen. Alle Bestandteile der Lehrerarbeitszeit sind insoweit gleichwertig und ausschließlich quantitativ zu betrachten. Eine gleichheitswidrige Behandlung eines teilzeitbeschäftigten Lehrers ist deshalb dann anzunehmen, wenn er im Vergleich mit einem vollzeitbeschäftigten Lehrer quantitativ relativ stärker beansprucht wird; das ist nicht der Fall, wenn Belastungen an einer Stelle durch Entlastungen an anderer Stelle ganz oder nahezu vollständig ausgeglichen werden. (BVerwG, Urteil vom 23. September 2004 -
2 C 61.03 - BVerwGE 122, 65 <73>; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 29. Oktober 2009 - 2 C 82.08 - Buchholz § 240 § 6 BBesG Nr. 27 m.w.N.).“ (Rand-Nr. 17)

 

Wie das Bundesverwaltungsgericht außerdem darlegt, muss bei Überschreitung der sich aus der Teilzeitquote ergebenden Arbeitszeit „in einem anderen Bereich der Arbeitszeit ausgeglichen werden. Das kann im Bereich außerunterrichtlicher Tätigkeit z. B. durch geringere Heranziehung zu Vertretungsstunden oder Pausenaufsichten geschehen. Ist ein Ausgleich in diesem Bereich nicht im erforderlichen Umfang möglich oder nicht gewollt, muss der Ausgleich durch Ermäßigung der Unterrichtszeit erfolgen.“ Des Weiteren genüge es nicht, dass „ein hiernach erforderlicher Ausgleich nur möglich ist; entscheidend ist vielmehr, dass es auf einen solchen Ausgleich einen Rechtsanspruch gibt und der Ausgleich auch tatsächlich erfolgt.“ (Rand-Nr. 19)

 

Bildungsminister Spaenle räumt in seinem Brief vom 02.08.2016 an den GEW-Landesvorsitzenden Anton Salzbrunn zwar ein, „dass der Umfang der Dienstpflichten der teilzeitbeschäftigten Lehrkräften (Unterrichtsverpflichtung und außerunterrichtliche Aufgaben) der reduzierten Pflichtstundenzahl entsprechen soll, so dass hieraus folgt, dass ein Mehr im einen Bereich durch ein Weniger im anderen Bereich auszugleichen ist.“ 

Aber:
Entspricht das Ihren Erfahrungen?
Falls nicht, empfiehlt es sich, dass TZ-Kräfte die über ihr Teilzeitmaß hinausgehende Arbeitszeit, z.B. bei Konferenzen, vorerst selbst dokumentieren und einen Ausgleich verlangen
(Ausnahme: Altersteilzeit im Blockmodell mit Vollzeit in der Ansparphase).

Die GEW setzt sich weiterhin dafür ein, dass alle teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte den Grundsatz des BVerwG-Urteils umsetzen können:

Teilzeitlehrkräfte – ob verbeamtet oder angestellt –
haben das Recht auf die Einhaltung ihrer Teilzeitquote
auch bei außerunterrichtlichen Tätigkeiten!



Verantw.: Markus Weinberger, Ernst Wilhelm, Andi Hartmann    info@gew-oberfranken.de
 

 

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