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GEW Oberfranken mit neuem Vorstandsteam

Inhaltlicher Schwerpunkt: Lobbyismus in Schulen

 

Dass über dem Schulsportfest das Banner der regionalen Sparkasse flattert, dass einen Hörsaal der Name des lokalen Großbetriebs schmückt, dass der Lehrmittel-Riese Cornelsen zur kostenlosen Lehrerfortbildung einlädt und die Robert-Bosch-Stftung eine Tagung finanziert  –  wer hat da heutzutage noch große Bedenken? Ob es um das Sparen, die Ernährung oder den Naturschutz geht: Wirtschaftsverbände und Konzerne sind mittlerweile an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen präsent und häufig als Sponsoren gern gesehen.

 

Die GEW Oberfranken hatte zum Thema „Sponsoring in Schulen“ einen ausgewiesenen Experten eingeladen: René Scheppler aus Wiesbaden. Der Gesamtschulpädagoge und aktive GEW-ler beschäftigt sich seit längerem mit Produktwerbung und verdecktem Sponsoring in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen.

 

Ergebnisse von Studien zu dem Thema, darunter eine der Universität Augsburg, schlagen Alarm. Proteste laufen allerdings in der Regel ins Leere angesichts chronischer Unterfinanzierung der öffentlichen Schulen und Hochschulen. Wo sollten die Gelder auch herkommen, nutzen doch große Unternehmen jedes Steuerschlupfloch. Gleichzeitig möchten diese aber doch gern sichtbar und spürbar „Gutes tun“, selbstverständlich ganz „uneigennützig“.

Anders gesagt: Sie investieren jährlich Millionen, um in Zeiten von Krise, Massenentlassungen und Klimakatastrophe ihr ramponiertes Image zu verbessern. Und um  Markenbindung in möglichst frühem Alter bei den künftigen Kunden zu verankern. Für „Jugendmarketing“ ist eine eigene Organisation zuständig: die Spezialisten von „Cobra.Youth.Communications“, wie der Referent berichtete.  

 

Dieses Unwesen sei schlimm genug, aber wenigstens schnell durchschaubar, meinte Scheppler. Schwieriger, weil versteckter, wirkt das sog. „Deep Lobbying“ - ein Begriff, den „Lobby Control“  in ihrer Broschüre  „Lobbyismus in Schulen“ aus dem Jahr 2012 geprägt hat. Hier geht es um den langfristigen Einfluss mit Tiefenwirkung auf die einzelne Lehrkraft, vorzugsweise vorbei an Ministerien und Schulämtern.

 

Letztere sind eigentlich gehalten, Werbung zu unterbinden, nachzulesen im Paragraphen 84 des Bayrischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes von 2000. Allerdings bereits damals und erst recht in der neueren Verordnung von 2010, der „Richtlinie zum Umgang mit Sponsoring“, sollen Ausnahmen zulässig sein. Einzelfälle seien „unter diversen Aspekten“ zu prüfen. Und wer überprüft das alles?

Meist bleibt diese Entscheidung den Schulleitungen und einzelnen Lehrkraften überlassen. So überwiegt dann allzu oft der „diverse Aspekt“ der schnellen Einsetzbarkeit im Unterricht.

 

Der Referent zählte eine Reihe von Stiftungen und Organisationen auf, die nach außen hin Nachwuchswerbung und Bildungsförderung betreiben. Gleichzeitig jedoch haben sie sich der gezielten Beeinflussung junger Menschen verschrieben: Darunter die Bosch-Stiftung, die Initiative Neue Marktwirtschaft oder das Network for Teaching Entrepreneurship (NFTE). Da werden komplette Unterrichtseinheiten vorbereitet und kostenfrei an Schulen geliefert, inclusive Workbook. Die Einladung für den Drei-Tage-Workshop für die Lehrenden liegt auch gleich bei.

 

René Scheppler gab einige Kostproben aus dem Lehrwerk des NFTE (das deutschlandweit verbreitet wird). Auch seinem Kollegium in Wiesbaden wurde es angedient. Kaum eine Seite, in der nicht Oetker, IBM, Tchibo, McDonalds etc. positiv erwähnt wurden. Als besonders „perfide“ bezeichnete der Gesamtschulkollege kostenlose Ferienveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler. Dort soll dann „die Persönlichkeit gestärkt“ werden. Schulpädagogen sind dabei ausdrücklich nicht erwünscht.

 

Erklärtes Ziel ist „ein allgemeiner Mentalitätswandel“ (so der Begriff in einer von René  Scheppler zitierten Studie von Moeller und Hendtke). Denn in Schulbüchern sieht sich die Wirtschaft häufig nicht fair dargestellt. NFTE selbst strebt laut eigener Aussage (Homepage) „nachhaltiges Umdenken“ an, ein „positives Verständnis zur Wirtschaft und zum Unternehmertum“. Denn, man höre und staune: „Menschenfreundlichkeit ist ein wichtiger Teil von Entrepreneurship.“

 

LobbyControl nennt in ihrer Broschüre übrigens auch die Bundeswehrwerbung in Schulen und Bildungseinrichtungen als nicht zulässigen Lobbyismus. Haben nicht Generationen von Sozialkunde-bzw. Wirtschaftskunde-Referendaren den Beutelsbacher Konsens von 1976 hochgehalten mit seinem Verbot manipulativer „Überwältigung“ und der Verpflichtung, gesellschaftlich umstrittene Themen auch im Unterricht aus verschiedenen Blickrichtungen zu diskutieren?  Sollten nicht jedwede Indoktrinationsversuche im Keim erstickt werden?

 

40 Jahre danach greifen viel zu viele Lehrkräfte lieber zu den Hochglanzmaterialien der Deutschen Bank, wenn das Schulbudget nicht reicht für Neuanschaffungen zugelassener aktueller Lehrwerke. ( Anmerkung der Autorin: So kann es passieren, dass sie beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz die Unterrichtsunterlagen aus dem Hause VW in Wolfsburg heranziehen. Volkswagen verbreitet diese „im Dienste für Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Wer sich einmal auf der Homepage von www.autostadt.de/de/Lernangebote umgetan hat, der wird richtig neidisch auf die Kolleginnen und Kollegen in Niedersachsen. Ein Schelm, der jetzt dabei an „Diesel-Gate“ und „Abgas-Skandal“ denkt.)

 

Mehr als 800.000 kostenlose Unterrichtsmaterialien für alle Schulfächer sind laut der Studie der Universität Augsburg aus den Jahren 2012 – 2014 zurzeit im Internet verfügbar. Die meisten davon sind produziert und finanziert im Auftrag der Privatwirtschaft. 

 

Die Forderungen der Bildungsgewerkschaft wie auch von LobbyControl u.a. liegen auf der Hand: Öffentliche Kontrolle und ein konsequent durchgesetztes Verbot verdeckter Werbung! Dazu hat die GEW in Hessen soeben eine Initiative in den hessischen Landtag eingebracht, woran auch der Referent mitgewirkt hat. Allerdings ohne übertriebene Illusionen: An der Durchschlagskraft kultusministerieller Kontrollen sind wohl durchaus Zweifel angebracht, in Hessen wie auch in Bayern.

 

Das Übel ist an der Wurzel zu packen: Die Gewerkschaften müssen eine spürbar bessere finanzielle Ausstattung des Bildungssystems erkämpfen, verbunden mit einer Besteuerung von Profiten und Vermögen (vgl. Steuerkonzept der GEW). Bis dahin gilt es, nach Kräften aufzuklären und „ein Gegengewicht zu schaffen“, so René Scheppler,  in den Kollegien, in der Schülerschaft und bei den Eltern, gegen solcherart Mind-Control.

 

In der lebhaften Diskussion legten einige Teilnehmer*innen Wert darauf, dass sich auch einseitige Materialien mit gutem Gewissen im Unterricht nutzen ließen, wenn die Absichten der Hersteller*innen thematisiert würden. Damit könnten Schüler*innen auch für die permanente außerschulische Begegnung mit Beeinflussungsstrategien gestärkt werden. (Literaturhinweise und mehr siehe Ende des Artikels)

 

Immerhin: Das alljährliche Bezirkstreffen der GEW Oberfranken kam auch in diesem Jahr ohne Sponsorengelder aus. Vor der Auseinandersetzung mit dem Lobbyismus fanden Neuwahlen zum Bezirksvorstand statt:

 

 

GEW Oberfranken wählt neuen Bezirksvorsitzenden

 

Ernst Wilhelm hatte den Bezirksvorstand nicht im Unklaren gelassen und schon lange seine Entscheidung angekündigt, nach jahrzehntelanger Amtszeit Platz zu machen für einen Wechsel. In seiner stichpunktartigen Rückschau freute er sich, den weniger gelungenen Punkten doppelt so viele erreichte Ziele gegenüberstellen zu können. Er dankte den Vorstandskolleg*innen für die zuverlässige Mitarbeit und bot an, das neue Vorstandsteam in der Geschäftsführung und bei Personalratsfragen zu unterstützen.

 

Zum neuen Vorsitzenden wurde in großer Einmütigkeit Andreas Hartmann aus Forchheim gewählt. Der 59-Jährige ist Mitglied der GEW seit 1987. Er arbeitet als Sonderschullehrer in Forchheim und vertritt die GEW Oberfranken in der Fachgruppe Sonderpädagogische Berufe. Außerdem ist er seit 2006 Mitglied im Personalrat der Beschäftigten an Förderschulen in Oberfranken, seit vier Jahren als stellvertretender Vorsitzender.

Folgende Kolleginnen und Kollegen wurden einstimmig als Stellvertreter*innen gewählt:  Monika Gütlein und Markus Weinberger (GEW Forchheim), Heinz Jung und Ernst Wilhelm (GEW Bamberg); Thomas Ludwig (Burgkunstadt), Karlheinz Edelmann und Eva Petermann (GEW Hof) als Pressereferentin sowie Ernst Friedlein und Oskar Brückner (GEW Bayreuth).

 

                                                           Eva Petermann

 

 

 

 

Literatur zum Lobbyismus an Schulen:

 

LobbyControl: Felix Kamella: Lobbyismus an Schulen. Köln 2013.

www.lobbycontrol.de

 

GEW-Privatisierungsreport Nr. 15 „Propaganda und Produktwerbung. Wie Unternehmen mit kostenlosen Unterrichtsmaterialien Einfluss auf Schulen ausüben.“ Dezember 2013

 

Studie der Universität Augsburg  aus den Jahren 2012 – 2014 zu unternehmensfinanzierten (Online-) Unterrichtsmaterialien.

 

 

Im Folgenden noch etwas aus dem Hause VW für Menschen mit Humor...

 

„Bildung für nachhaltige Entwicklung: Verantwortungsvolles Mobilitätsverhalten leben“...

„Der einzelne erfährt durch Bildung für nachhaltige Entwicklung: Mein Handeln hat Konsequenzen. Nicht nur für mich und mein Umfeld, sondern auch für andere. Ich kann etwas tun, um die Welt ein Stück zu verbessern. Ein solches Denken ist dringend notwendig, um Veränderungen anzustoßen und drängende globale Probleme wie den Raubbau an der Natur oder die ungleiche Verteilung von Reichtum anzugehen. Regierungen, Organisationen und Unternehmen müssen Nachhaltigkeit lernen und umsetzen.“ („Im Dienste für Bildung für nachhaltige Entwicklung“, Autostadt VW in Wolfsburg - nachzulesen auf www.autostadt.de/de/Lernangebote)

 

"Neidisch" auf die Kolleg*innen in Niedersachsen kann frau werden! Wo in der „Autostadt“ in Wolfsburg „Schüler außerhalb des Klassenzimmers Themen wie Nachhaltigkeit und Mobilität neu entdecken“.

Image- und Produktwerbung sogar auch für die ganz „kleinen Gäste“ von 3 – 4 Jahren, die altersgerechte Angebote zur pädagogischen Frühbildung“ erwarten. Und sogar ihren Kindergeburtstag dort feiern können.

 

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