GEW HOF
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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Oberfranken
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft                                                  Oberfranken

GEW  Hof - Wunsiedel

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          Unsere nächsten GEW-Mitgliedertreffen:

 

 

Donnerstag, 14. Juni, 19 Uhr

Mitgliedertreffen in Hof, voraussichtlich "Chinagarten"

 

Donnerstag, 12. Juli, 19 Uhr

Mitgliedertreffen in Selb

 

Alle Mitglieder und interessierte Kolleginnen und Kollegen

sind schon jetzt dazu herzlich eingeladen!

                      

                         GEW Hof-Wunsiedel

Kontakt: Karlheinz Edelmann, Kreisvorsitzender

edekarl@yahoo.de

 

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                      Ein Beitrag zur Lokalgeschichte des Hofer Schulsystems:

               Schulen unterm Hakenkreuz“

 

Der Vortrag von Dr. Axel Herrmann, dem langjährigen Vorsitzenden des „Langnamen-Vereins“, auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hof-Wunsiedel (GEW), im November 2017, stieß auf lebhaftes Interesse. Karlheinz Edelmann und Sebastian Lehmann vom GEW-Kreisvorstand konnten ein großes Publikum in der Hofecker-Mittelschule begrüßen, in der einstmals nach dem NSDAP-Gauleiter Hans Schemm benannten Schule.

 

So zeigte der Referent eingangs ein Foto aus jener Zeit von der Turnhalle: Bei der Feier anlässlich der Umbenennung nach dem Gründer des NS-Lehrerbundes sitzen dort in dichten, dunklen Reihen uniformierte SA- und SS-Chargen. Das Bild war nur eines der vielen beklemmenden oder bizarren Dokumente, die Dr. Herrmann, der frühere Schulleiter des Reinhardt-Gymnasiums, mitgebracht hatte.

 

Seine Bilanz zur NS-Schulpolitik fiel wenig vorteilhaft aus: An einem Ausbau der Schulen bestand kaum Interesse. Der Hofer SS-Mann, Oberbürgermeister Dr. Wendler, Schwager des Reichsführers – SS, Himmler, engagierte sich viel lieber für den Bau einer Kaserne, um aus Hof eine Garnisonstadt zu machen. Selbst für das neue Projekt der sog. „Deutschen Hauptschule“ aus dem Jahr 1941, von dem Dr. Herrmann erstmals berichtete, gab es keinen Neubau. Aus ihr sollte eine NS-Eliteschule geformt werden, wozu es allerdings nicht kam. 1942 wurde sie - wie später drei weitere Schulen - behelfsmäßig in der Schillerschule einquartiert.

 

Als frisch eingesetzter bayrischer Kultusminister hatte Hans Schemm den „Aufbruch der Nation“ auch an den Schulen verkündet. Flugs wurden die Lehrpläne im nationalsozialistischen Sinne umgeschrieben und das Führungspersonal ausgewechselt.

 

Vorbei war es mit dem Vorschlagsrecht der Stadt Hof. Schulleiter wurden direkt von der Nazipartei eingesetzt, unter ihnen noch heute bekannte Lehrpersönlichkeiten wie Friedrich Ebert. Der bereits seit 1919 amtierende Stadtschulrat Christian Wolfrum wurde nahtlos übernommen. Dieser war nach eigener Aussage „glücklich“, dass er „am Aufbau des Dritten Reiches noch mitarbeiten durfte“, wie der Referent zitierte.

 

Sehr vielfältig war das Material, mit dem Axel Herrmann den angeblichen „geistigen Aufbruch“ illustrieren konnte: Stundenpläne (für Jungen und Mädchen unterschiedlich) und Zeugnisse, in denen jeweils die „Leibeserziehung“ an erster Stelle stand; Pflichtlektüre-Listen für das Fach Deutsch, wo es von Werken der Blut- und-Boden-Heimatliebe und des Opfermuts im Krieg nur so wimmelte – angefangen von Gorch Fock und Hermann Löns bis hin zur Schwester des Nazi-Märtyrers Horst Wessel und Ernst Jüngers Kriegsschrift „Der Krieg als inneres Erlebnis“.

 

„Opfer und Dienen“ waren Schlüsselbegriffe der NS-Ideologie, ganz abgesehen von der ständigen Einschwörung auf künftiges Herrenmenschentum. In bebilderten Heften aus dem Bucher-Verlag wurden die Kinder instruiert über „Vererbung und Rasse“. Zeichnungen „fälischer“ oder „ostischer“ etc. Köpfe von vorn und im Profil klärten sie auf über die Unterschiede zwischen höher- und minderwertigen Rassen.

 

Die Schulen wetteiferten darum. wer die meisten Mitglieder für die Hitlerjugend (HJ) bzw. den BDM – Bund deutscher Mädel – rekrutierte. Fleißig geworben wurde auch für den „Landdienst der HJ“. Heiterkeit rief der Titel einer dieser Broschüren hervor: „Auch dich ruft der deutsche Boden!“ In Hof meldeten sich beim ersten Anlauf trotz der Verlockung, im Osten „Wehrbauer“ zu werden, nur eine Handvoll Freiwilliger.

 

Nach dem Überfall Hitlers auf Polen geriet der Unterricht mehr und mehr ins Hintertreffen: Viele Lehrer wurden an die Front abkommandiert, ihre Schüler wurden als Hilfskräfte und als Altstoff-Sammler eingespannt. Die aufgelesenen Blechbüchsen, Kartoffelkäfer, Frontbücher etc. wurden säuberlichst in Listen erfasst. Außer mit solcher Beschäftigung verbrachte das verbliebene Lehrerkollegium den Nachmittag nicht mit Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen, sondern ebenfalls im anderweitigen „Arbeitseinsatz“.

 

Der NS-Stadtschulrat Christian Wolfrum hatte außerdem vollauf zu tun mit dem Verteilen der Pamphlete aus dem Reichspropaganda-Ministerium an die Schulen in Hof, zwecks Mobilisierung für den „Endsieg“. Und die Eltern? Viele von ihnen behielten ihre Kinder einfach zu Hause, nicht zuletzt wegen der Gefährdungen auf dem oft quälend weiten Schulweg.

 

Als letztes Bild zeigte Dr. Herrmann eine weitere Aufnahme von der Schulturnhalle: Verhärmte, verängstigte Gesichter geflüchteter Kinder und Erwachsener schauen da in die Kamera, kauernd oder liegend auf Pritschen, dicht an dicht.

 

Dr. Herrmann streifte abschließend auch die Nachkriegszeit und die vielen „Fragwürdigkeiten der Entnazifizierung“. Exemplarisch nannte er einen Rektor Walther, der als „politischer Fanatiker und Gewaltmensch“ (so Herrmann) nach 1945 sofort entlassen wurde. Ähnlich ein – von Anwesenden als allgemein verhasst beschriebener - Lehrer Wilhelm Stark, der grundsätzlich in SA-Uniform unterrichtete. Er gehörte zu den vielen belasteten Lehrkräften, die wie auch der Stadthistoriker Dr. Dietlein schon bald wieder in den Schuldienst zurückkehren konnten.

 

Aber gab es denn keine „Aufrechten“ unter den Hofer Lehrkräften, ganz zu schweigen von Widerstandskämpfern? Nur wenig ist bislang darüber geforscht worden. Feststeht: Oppositionelle Lehrkräfte, an erster Stelle Kommunisten und Sozialisten wie auch jüdische Pädagogen, hatten gleich nach der Machtübertragung an Hitler in ganz Deutschland per Gesetz Berufsverbot erhalten.

 

Der Referent bestätigte Hinweise aus dem Publikum, dass in Rudolf Machts Werk zur Hofer Arbeiterbewegung immerhin zwei antifaschistischen Pädagogen auftauchen: Die Volksschullehrer Triebel und Borger. Letzterer wurde 1938 wegen Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe für ein Jahr nach Dachau abtransportiert.

 

Axel Herrmann verwies außerdem auf den Studienrat Karl Kleyer und auf Dr. Jonas Mehling, der im Juli 1945 als „Unbelasteter“ zum kommissarischen Stadtschulrat ernannt wurde. Der Religionslehrer Kleyer hatte im Evangelischen Gemeindeblatt vom 8.3.1936 geschrieben:: „Wenn herrschende Gewalt ihre von Gott aufgetragenen Pflichten vergißt (…), muß ein sittlich gesundes Volk sich wehren.“ Das Blatt wurde 1938 auf Betreiben des NS-Kreisleiters Kuhr durch die Gestapo verboten.

 

In Hof gibt es nur eine einzige Schule, die nach dem Ende des NS-Regimes den Namen eines Lehrers erhielt: die „Christian-Wolfrum-Schule“.

Wie es dazu kam, dass ausgerechnet dem einstigen NS-Schulrat diese Ehre zufiel? Dies genauer zu beleuchten wird wohl einem weiteren Vortrag des Historikers Herrmann vorbehalten bleiben.  

(Unser Pressebericht über den

Vortrag von Dr. Axel Herrmann bei der GEW Hof-Wunsiedel am 16.12. 2017)

 

 

 

 

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Wir wünschen allen Mitgliedern

Energie, Einfallsreichtum und viel Mut

zur nötigen Veränderung

(nicht nur) des Bildungssystems -

es ist an der Zeit !

 

 

 

 

 

 

 

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