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GEW Bayern zu den Reaktionen auf PISA 2003: Kultusministerin und Ständelobby verteidigen Bildungsprivilegien – auf Kosten von sozial Schwachen Die
Ergebnisse von PISA 2003 belegen, was schon seit PISA 2000 offensichtlich ist: ·
Die
Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler liegen insgesamt, trotz leichter
Verbesserungen, nur im Mittelfeld. ·
Der Anteil
der sogenannten Risikogruppe, also der Schülerinnen und Schüler, die nur die
unterste Kompetenzstufe I erreichen, liegt deutlich über dem OECD-Durchschnitt. ·
Der
Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg ist weiter so groß wie
in fast keinem anderen OECD-Land. Schlimmer noch: Er nimmt sogar zu, weil der
Abstand zwischen den Leistungen in Gymnasium und Hauptschule zugenommen hat.
Spitzenreiter
bei PISA 2003 ist wieder Finnland, ein Land mit einer Schule für alle. Und an
zweiter Stelle unter den europäischen Ländern liegen dieses Mal die
Niederlande, die bei PISA 2000 nicht gewertet wurden. Dort umfasst die
gemeinsame Schulzeit acht Jahre. Das hindert
aber Verfechter des gegliederten Schulwesens wie Kultusministerin Hohlmeier und
den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Herrn Kraus, nicht daran, auch
nach PISA 2003 weiter einträchtig das Hohe Lied der frühen Auslese zu singen.
Nach dem Motto, dass kann nicht sein, was nicht sein darf, setzen sie weiter auf
die „Optimierung“ der Selektion - ignorant auch gegenüber der offiziellen
Interpretation der Ergebnisse von PISA 2003 durch die OECD: „Der
Zusammenhang zwischen Bildungsleistungen und sozialem Hintergrund wird
wesentlich durch die Schul- und Schulformwahl beeinflusst. Dieser Zusammenhang,
der in anderen Staaten mit ebenso stark stratifizierten und früh selektierenden
Bildungssystemen, wie z.B. Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, der
Tschechischen Republik oder Ungarn, ähnlich ausgeprägt ist, deutet darauf hin,
dass das gegliederte Schulsystem einen erheblichen Einfluss auf die ungleiche
Verteilung von Bildungschancen in Deutschland hat und damit das
Leistungspotenzial eines großen Anteils junger Menschen, einschließlich von
Schülern mit Migrationshintergrund, ungenutzt lässt. Diese Resultate legen
Zweifel nahe, dass wesentliche Verbesserungen in Bezug auf die
Chancengerechtigkeit des Bildungssystems, und damit auch der Gesamtleistung,
allein durch die Optimierung des bestehenden gegliederten Bildungssystems
erzielt werden können.” „Wer will, dass alle Kinder und Jugendlichen,
unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, möglichst gut gefördert werden, muss
für eine Schule für alle eintreten”, so der Vorsitzende der bayerischen
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Schorsch Wiesmaier. „Wer
dagegen weiter Bildungsprivilegien verteidigen will, wird das auf Auslese
basierende gegliederte Schulwesen verteidigen.” Zum
gleichen Schluss kam auch der schwedische Botschafter Carl Tham, der zuvor
Bildungsminister in Sockholm war, vergangenen Samstag in der Frankfurter
Rundschau: “Bei der Schulpolitik handelt es sich in hohem Maße um
Klassenfragen: Massenbildung beseitigt das Bildungsmonopol.” ___________________________________________________________ Im Auftrag des Landesvorstandes: Wolfram Bundesmann, Geschäftsführer |
GEW-Oberfranken.
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