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Reformation, Bauernkrieg und 30-jähriger
Krieg
Jahrhunderte
lang herrschten viele Bischöfe, Äbte und Päpste wie Fürsten und Könige in
Europa. Wer ihre Lehren oder ihren Lebenswandel kritisierte, musste mit
Verfolgung rechnen. Um ihre teuren Bauten und ihr luxuriöses Leben zu
finanzieren, trieb der Klerus nicht
nur Steuern ein, sondern drängte die verängstigte Bevölkerung auch zum Kauf
von Ablassbriefen. Damit sollten sich
die Menschen angeblich von Sünden
freikaufen und sich so vor Fegefeuer und Höllenqualen retten. Wie
vielen anderen Gläubigen war dieser Ablasshandel dem jungen Augustinermönch Martin
Luther zuwider. Am 31.10.1517 veröffentlichte
er 95 Thesen dagegen. Durch den
Buchdruck, den Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert erfunden hatte,
verbreiteten sich Luthers Behauptungen schnell im ganzen Reich. Trotz
größter Bedrohung war Luther nicht bereit, seine Auslegung der Bibel zu
widerrufen. Also verhängte der Papst den Kirchenbann
und der Kaiser die Reichsacht über
ihn. Luther drohte das gleiche Schicksal wie dem tschechischen Reformator Jan
Hus, der hundert Jahre vorher auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Da
entschied sich der Kurfürst von
Sachsen, den Reformator zum Schein
entführen zu lassen. So konnte Luther auf der Wartburg vor seinen Feinden sicher sein und die Bibel ins Deutsche
übersetzen. Immer
mehr Fürsten und Städte bekannten sich zum Protestantismus
und sagten sich damit von der Herrschaft des römischen Papstes und des
deutschen Kaisers los. Auch viele Bauern beriefen sich auf Luther und forderten
das Ende ihrer Leibeigenschaft, freie
Jagd und Waldnutzung. Als die Grundherren die Wünsche zurückwiesen, brannten
die Aufständischen 1524 und im
folgenden Jahr Hunderte von Klöstern und Schlössern nieder. Da
schickten die Fürsten ihre gut ausgerüsteten Söldnerheere
gegen die mäßig bewaffneten Bauern, töteten Zehntausende und restaurierten
die alten Machtverhältnisse. 1555
musste Kaiser Karl V. den Augsburger Religionsfrieden akzeptieren, was die Gleichberechtigung
der katholischen und evangelischen Lehre bedeutete. Allerdings durften nur die
jeweiligen Landesherren ihren Glauben frei wählen, ihre Untertanen mussten
ihnen auch in dieser Frage folgen. Der Konflikt zwischen den Anhängern der zwei
Konfessionen war damit aber nicht zu
Ende. Besonders die neu gegründeten Mönchsorden der Jesuiten und Kapuziner bemühten
sich mit der „Gegenreformation“
um die Rückgewinnung der Protestanten. Als
1618 evangelische Adelige in Prag
Gesandte des Kaisers aus dem Fenster stießen („Prager Fenstersturz“), begann der 30-jährige Krieg, in den bald Heere aus dem protestantischen
Skandinavien und dem katholischen Frankreich eingriffen. Der schwedische König
Gustav Adolf verbreitete mit seinen Truppen viel Not und Tod, auf katholischer
Seite taten es ihm die Befehlshaber Wallenstein und Tilly gleich. Erst nachdem
große Teile des Landes zerstört und Millionen Menschen tot oder verarmt waren,
schlossen die Kriegsgegner 1648 in Münster
den „Westfälischen Frieden“. Die gegenseitige Ablehnung von Gläubigen
verschiedener christlicher Konfessionen dauerte jedoch noch Jahrhunderte. In
Nordirland z.B. bekämpfen sich Fanatiker beider Glaubensrichtungen noch heute
unerbittlich. In der Regel münden Religionskonflikte nur dann in blutige
Auseinandersetzungen, wenn starke soziale Ungleichgewichte damit verbunden sind. |
GEW-Oberfranken.
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