Bayerns Schulen

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Bildungsgefälle in Bayern

Übertrittsbedingungen im deutschen Schulsystem

Grundschule/ Gemeinsame Grundbildung in (West)Europa

„Bayerns Schulen sind Spitze“

sagt die Staatsregierung in einprägsamer Regelmäßigkeit. Oskar Brückner (BT) hat Zahlen zusammengestellt und kommentiert, die dieses Bild von der weiß-blauen Bildungslandschaft zurechtrücken: 

CSU, Staatsregierung und Kumi preisen das 4-gliedrige Schulsystem Bayerns als das bestgeeignete für „begabungs- und eignungsgerechte Förderung und die‘Bildungsoffensive’ (R 6) mache es noch „begabungsgerechter“. Die folgenden wenigen Zahlen genügen, um diese Ideologie mit Fakten zu widerlegen. 

1)   Prozentualer Anteil der Hauptschüler in Jahrgangsstufe 7 am Durchschnitt der Geburtsjahrgänge 1983/84 (Schuljahr 1996/97) in den kreisfreien Städten und Landkreisen Bayerns
 

Durchschnitt Bayern  

 

43,0 

Landkreis München 24,2 
Wunsiedel   50,4 
Kronach  50,7 
Stadt Hof  58,8 

d.h. umgekehrt: 75,8 % des Jahrgangs besuchen im Landkreis München eine weiterführende Schule, in Hof dagegen nur 41,2 %!

Quelle: Bayer. Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 1997

2)  Prozentualer Schüleranteil in einem allgemeinbildenden 10. Schuljahr (schulartunabhängig, 1987/88)  
NRW   95,4
Bundesdurchschnitt  73,2 
Bayern  55,9 (vorletzter Platz) 
   
d.h. umgekehrt: 44% eines Schülerjahrgangs verlassen in Bayern die allgemeinbildenden Schulen unter dem Niveau eines mittleren Abschlusses, 1997 waren es sogar 48,6 %! 

(39,7 % HS-Abschluss + 8,9 % ohne Schulabschluss) 

Quelle: Bay. Landesamt 1997  

3. Anteil der Schulentlassenen in Bayern ohne Hauptschulabschluss (1997)
9% der 15- bis 17-jährigen Deutschen (absolut:11.574)  25% der 15- bis 17-jährigen Ausländer 
   
Dabei gibt es große regionale Abweichungen, z.B.:   
(Schüler gesamt)
Memmingen 22%
Hof  8,7%
Bamberg Stadt  18,3% 
Coburg Stadt  17,9% 
Landkr. Landshut  3,1%  
 

Quelle: Bay. Landesamt 1997 

4. Abiturientenanteil am Geburtsjahrgang (1990) 
Hamburg    33,6 % 
BRD  22,9 %
Bayern   17,7 % (vorletzter Platz)
 

  Quelle: LDS NRW 

Die Zahlen belegen, dass große Gruppen von Schülern vom bayerischen Schulsystem nicht oder bei weitem nicht ausreichend gefördert werden!


Grundschule/ Gemeinsame Grundbildung in (West)Europa

 Länder

 Einschulungsalter Gemeinsamer   Unterricht bis  Beurteilung  der SchülerInnen durch    Wiederholung von Kl.
D

6 (5)  

4. Kl / 6. Kl. in Berlin u. Brandenburg  Lernentwicklungsbericht oder Zensurenzeugnis je nach Bundesland   ja 
B  6 (5)    6. Kl  Zensuren am Ende d. GS    nein
DK 7 (6)  9. Kl.  Lernentw.-bericht bis Kl.7 

Zensurenzeugnis ab Kl. 8

  nein
F 6  5. Kl.  Zeugnis mit Notenstufen von 1 - 20 Punkten    ja
GR  5,5      6. Kl.     Zensurenzeugnis   nein 
GB  5 (4)  6. Kl.   standardisierter Test    ja
IRL 6 (4)                       8. Kl.   Lernentwicklungsbericht     nein 
I                                   8. Kl.        Lernentwicklungsbericht     nein  
LUX 6   6. Kl.  Berwertung während desSchuljahres, kein Zeugnis    ja 
NL 5 (4)   8. Kl.  Beurteilungsbogen Lernentwicklungsbericht   nein 
P   6   6. Kl.   Zensurenzeugnis 3x jährl.    ja 
E 6   6. Kl.  Zensurenzeugnis    ja 
         

Bei einem Vergleich im gesamteuropäischen Raum kommt Khan-Svik (1995) zu folgenden Schlussfolgerungen: 

• Nach ca. 30 Jahren Schulreform bekennt sich fast die Hälfte der dargestellten europäischen Staaten (16 von 34) zu einer gemeinsamen Schule für die gesamte Dauer der Schulpflicht. 

• In den skandinavischen Staaten besuchen alle Schüler während der gesamten Schulpflicht (7. – 16. Lebensjahr) einen gemeinsamen Schultyp. 

• Nur Liechtenstein, Österreich, Malta, die Türkei, einige Kantone der Schweiz, Baden-Württemberg und Bayern beharren auf einer 4-jährigen Grundschule und einem darauf aufbauenden selektivem Schulsystem. Rußland, Tschechien, Slowakei und Ungarn haben dieses System auch wieder übernommen.

Die 14 anderen deutschen Bundesländer haben nach der Grundschule integrierte Gesamtschulen oder Orientierungsstufen, letztere z.T. obligatorisch. 

In den europäischen Staaten mit langjährigen demokratischen Erfahrungen lassen sich folgende Tendenzen feststellen:

• Verschiebung der Selektion eher nach oben in die höheren Klassenstufen.

• Zunehmende Reduzierung der äußeren Differenzierung zugunsten des Unterrichts in heterogenen Gruppen mit flexibler bzw. innerer Differenzierung.

• Verstärkte gemeinsame Unterrichtung Behinderter und nicht behinderter Kinder. 

Fazit: Mit ihrer Zementierung und Verschärfung der frühen Selektion isolieren sich Bayern und Baden-Württemberg

 
GEW-Oberfranken.