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PISA, die Dritte

Neue Auswertung der Bundesländer-Ergebnisse

'Man kann für dieselbe Leistung in einem Fall mit einer Zwei belohnt, im anderen mit einer Vier oder Fünf bestraft werden'. Zu diesem Schluss kommt eine weitere Analyse der PISA-Ergebnisse durch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Im letzten Jahr hatte eine erste Folge-Analyse (PISA-E) der internationalen OECD-Schulvergleichsstudie PISA bereits die Unterschiede zwischen den Bundesländern genauer dokumentiert. Im Folgenden haben wir einige Erkenntnisse der jetzt neu veröffentlichten dritten Studie 'PISA 2000 - ein differenzierter Blick auf die Bundesrepublik Deutschland' für Sie zusammengestellt. 

Unterschiede in der Leistungsbeurteilung

In der Tendenz richten sich die Noten meist nach der Mathematikleistung, am ausgeprägtesten an den Gymnasien. Dabei variieren die Noten für ein und dieselbe Leitung innerhalb der Schulform - und darüber hinaus auch von Schule zu Schule. Die Noten unterschiedlicher Bildungsgänge sind praktisch nicht vergleichbar. Schülerinnen und Schüler mit Bestnoten in Mathematik, die Hauptschulen, integrierte Gesamtschulen oder Realschulen besuchen, könnten - so die Studie - ohne weiteres im jeweils benachbarten, anspruchsvolleren Bildungsgang Erfolg haben.  

Unterrichtsqualität aus Schülerperspektive

Die Analyse der Schülerperzeption von Unterricht anhand der drei Merkmale 'Unterstützung durch den Lehrer', 'Beziehungsqualität' und 'Leistungsdruck' zeigt international gravierende Unterschiede. In Japan, Skandinavien und den angelsächsischen Staaten dominiert der Unterstützungsaspekt. In Belgien, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz steht aus Schülersicht eindeutig die Qualität der Lehrer-Schüler-Beziehung im Vordergrund. Deutschland schließlich zeigt, wie auch die osteuroäischen Staaten und Korea, einen dritten Profiltyp: Hier steht aus der Perspektive der Lernenden eindeutig der Leistungsdruck im Vordergrund. Gleichzeitig wird die Unterstützung durch Lehrkräfte als relativ gering empfunden.

Unterschiede bestehen auch innerhalb der einzelnen Schulformen: So wird an Gymnasien offenbar stärker kognitiv aktivierend, aber weniger unterstützend unterrichtet. Es gibt dort weniger Disziplinprobleme, aber auch weniger Leistungsdruck als vor allen an Hauptschulen. PISA zeigt, so die neue Studie, dass gute Leistungen einerseits geng mit effizienter Klassenführung und kognitiver Aktivierung durch den Lehrer zusammenhängen, während gleichzeitig das Interesse der Schüler eng mit der wahrgenommenen Unterstützung durch den Lehrer verknüpft ist.  

Migration und Schulleistungen

Schon die ersten Analysen von PISA haben ergeben, dass kinder aus zugewanderten Familien deutlich schlechtere Bildungserfolge aufweisen, selbst wenn die ihre gesamte Schullaufbahn in Deutschland absolviert haben. Die neue Untersuchung differenziert das Bild weiter: Ein Ausländeranteil von 20 Prozent mindert das Lernniveau der ganzen Schule sprunghaft. Im Vergleich zu Schulen mit weniger als 5 Prozent Kindern aus zugewanderten Familien ergibt sich ein Lernnachteil von etwa vier Monaten.

Auffällig ist, dass ein zusätzlicher Anstieg des Migrantenanteils auf 40 Prozent und mehr keine weitern Leistungsminderungen mit sich bringt - offensichtlich eine Folge der erst ab dieser 'kritischen Schwelle' eingesetzten gezielten Fördermaßnahmen.  

Familiärer Kontext

Die neue Analyse der PISA-Ergebnisse kommt zu dem Schluss, dass familiäre Merkmale wie Kinderzahl, Familientyp und mütterliche Erwerbstätigkeit keinen durchgängigen Enfluss auf die schulischen Leistungen der in der Studie untersuchten 15-Jährigen nehmen. In den neuen Ländern gingen die Kinder von berufstätigen Müttern sogar viel häufiger zum Gymnasium als andere - was jedoch auf die gute Vorbildung der Mütter zurückführbar scheint. Einzelkinder haben deutlich bessere Bildungschancen als Kinder mit drei und mehr Geschwistern. Dies betrifft jedoch besonders Hauptschülerinnen und Hauptschüler - für Jugendliche in Gymnasien entsteht durch ein große Geschwisterzahl dagegen kein deutlicher Nachteil.  

Lehrpläne und Ergebnisse

Wenn aus dem PISA-Test nur Aufgaben herausgenommen werden, die direkt auf deutsche Lehrpläne zurückzuführen sind, ergibt sich dadurch keine Verbesserung oder Verschlechterung der Schülerleistungen.  

Zergliederung des deutschen Schulsystems

Die Analyse wirft auch ein Licht auf das zergliederte deutsche Schulsystem. Die frühe Aufteilung der Kinder nach der vierten Schulklasse auf unterschiedliche Schulformen verschärfe die soziale Selektion, so die Forscher. Unterschiedliche Schulpolitik in den Ländern führe zu einer weiteren Zergliederung des Schulsystems.  

Notenvergabe und Standardisierung

Bei der Notenvergabe beziehen sich die Schulen meist auf einen Referenzrahmen, der in erster Linie an dem spezifischen Leistungsniveau der Schule bzw. Lerngruppe ausgerichtet ist und nicht an schulübergreifenden Kriterien.

In Bericht der Kultusministerkonferenz, die die neue PISA-Analyse vom PISA-Konsortium überstellt bekommen hat, heißt es dazu:

'Diese Praxis der Notenvergabe erfüllt die pädagogisch wichtige Funktion einer Leistungsrückmeldung, die sich notwendigerweise auch an der für Schülerinnen und Schüler nachvollziehbaren Situation ihrer Schule orientieren muss. Sie federt die Auswirkungen unterschiedlicher lernförderlicher Milieus auf einzelschulischer Ebene in sozial gebotener Weise ab. Zugleich bestätigt dieser Befund aber auch die Dringlichkeit einer wirksamen Standardisierung...

In diesem Rahmen ist das inhaltliche Bemühen um Standardisierung durch die klare Bestimmung von Anforderungsniveaus (Mindeststandards) vornehmlich für die basalen Sprach- und Selbstregulationskompetenzen (insbesondere Deutsch, Fremdsprachen, Mathematisierungskompetenz), die Voraussetzung erfolgreichen Lernens in allen Fächern sind, von zentraler Bedeutung. Zugleich sind geeignete Verfahren der regelmäßigen Überprüfung ihrer Einhaltung zu entwickeln. Hier weisen die von den Ländern getroffenen Entscheidungen zu Bildungsstandards in die richtige Richtung.'  

Weitere Informationen

PISA-Seite der Max-Planck-Gesellschaft für Bildungsforschung - zur website

Zusammenfassung zentraler Befunde der neuen PISA-Analyse - direkt zum PDF-Dokument im Internet

Beschluss der Kultusministerkonferenz - zur Pressemeldung im Internet

PISA-Meldungen und Stellungnahmen der GEW - zur website

 
GEW-Oberfranken.