M-Klassen

Nach oben
Veranstaltungen
Regionalkontakt
GEW-Leistungen
Rechtliches
Unterrichtstipps
Große Glocke
LINKS
Ferienkalender
Disclaimer
Archiv
Galerie

Eine weitere Schulart in Bayern:

Die M-Klassen in wenigen Hauptschulen

Als die bayr. Regierung die R6 (sechsstufige Realschule ab Kl. 5) propagierte, kündigte sie für die Hauptschule M-Klassen und M-Kurse an, die "mit Klasse 10 zwar nicht zum gleichartigen, aber zum gleichwertigen Mittleren Abschluss führen".

Von den genannten M-Kursen in möglichst vielen Hauptschulen ist nicht viel zu sehen, da diese bei der Zuweisung der LehrerInnenstunden nicht berücksichtigt werden. Dagegen wetteiferten die Gemeinden um den Zuschlag für die M-Klassen. Im Landkreis Bamberg gab es vier Siegerorte (Zum Vergleich: Realschulen gibt es drei hier).

Damit keine Zweifel an diesen Standorten aufkamen, wurden die M7-Klassen zweizügig installiert. Nix mehr blieb übrig von den Versprechungen der Kultusministerin zur neuen Flexibilität und möglichem Wechsel der Standorte je nach Bedarf! Hauptgewinner sind Busunternehmen, die nun außer den Real-, Gymnasial- und FörderschülerInnen auch noch die M-SchülerInnen kreuz und quer durch den Landkreis karren dürfen.

Die SchülerInnen, die trotz der negativen Erfahrungen mit der Auslese in Klasse 4 neue Motivation in den Klassen 5 und 6 aufbauten, treffen sich küftig in den M7-Klassen. Zurück bleiben die dreifach Ausgelesenen, von denen viele aufgrund ihrer niederschmetternden Erfahrungen schulisches Lernen grundsätzlich ablehnen und als Zumutung betrachten. Und wenn Lernunlust und begrenzte Aufnahmefähigkeit zusammen kommen, dann ist klar: Die Betroffenen stehen den Anforderungen des bisherigen HS-Lehrplans tatsächlich in vielen Fällen hilflos gegenüber. D.h., diese SchülerInnen bekommen weiterhin bestätigt, dass sie "nix leisten".

Was liegt in einem solchen Fall näher, als geistig auszusteigen aus dieser entfremdeten Tretmühle und andere Bestätigungen zu suchen? (In Videospielen können diese Jugendlichen Tausende von Punkten sammeln, in Cliquen Anerkennung erkämpfen und in rechtsradikalen Gruppen wird ihnen ihre wichtige Aufgabe gegen die "Ausländerinvasion" stets bestätigt.)

Würde ich mich als Lehrer in der Rest-HS auf den neuen Leistungsdurchschnitt einstellen (was bei verschiedenen Schularten mit unterschiedlichem Niveau grundsätzlich vorgesehen ist), erhielten die wenigen Unverdrossenen die Noten, die ihnen zum Jahresende der 7. bzw. 8. Klasse ebenfalls den Übertritt in die M-Klassen empfehlen. Allerdings ist es sehr fraglich, ob die WechselschülerInnen dann mit den höheren Anforderungen zurecht kämen!

Werden die geltenden Bestimmungen für den Quali beibehalten, wird die Erfolgsquote radikal sinken. Ob dann die neuen Praxisklassen und die Förderschule mit dieser Rest-HS zusammenwachsen? Dann besäße Bayern wieder die frühere "bewährte" Zahl von Schularten. Merke: "Bayerns Schulen sind spitze in Deutschland und in der Welt".

Übrigens: Das letzte Zitat stammt von Alois Glück, dem Fraktionsvorsitzenden der CSU im Landtag. Diesem hab ich vor einigen Monaten einen Brief geschrieben als Antwort auf seine M-KlassenHauptschulAufwertungsPropaganda und ihn gefragt, was er zu den Nebenwirkungen meint. Eine Antwort auf diesen Brief hab ich bis heute nicht.

Ernst WILHELM

 

GEW-Oberfranken.