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Die "dummen Kinder" Chancenungleichheit in Deutschland Ende der 60er Jahre empörten sich
nicht nur die rebellierenden Studenten über die Ungleichheiten im
Bildungswesen. Auch die offizielle Politik nahm sich des Themas an und
brachte Modellversuche und Strukturreformen auf den Weg. Dennoch gilt
heute nach 3 Jahrzehnten immer noch: Chancenungleichheit beginnt in
Deutschland mit der Geburt und zieht sich durchs ganze Leben. Bei
genauerer Analyse muss man überraschenderweise sogar feststellen: Unser
Bildungssystem verstärkt die Ungleichheit noch. Dies beginnt schon mit der
Familienpolitik. Die verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen von Haushalten
mit Kindern liegen deutlich unter denen ohne Kinder: Durchschnitt 2.454
DM = 100 % Zwei-Verdiener-Haushalte ohne Kinder
143 % Paare mit Kindern und 1 Einkommen
81 % Alleinerziehende
68 %
(nach Ulla Knapp) Der Rechtsanspruch auf einen
Kindergartenplatz ist- wenn auch regional unterschiedlich- weitgehend
eingelöst. Doch immer häufiger geraten Familien in Schwierigkeiten,
ihren Anspruch wahrzunehmen. Die Gebühren haben- ebenfalls regional sehr
unterschiedlich- inzwischen enorme Niveaus erreicht (in Bremen und Hamburg
für halbtägige Betreuung bis zu 480 bzw. 450 DM, im BRD-Durchschnitt ca.
200 DM). Wissenschaftliche Untersuchungen
belegen, dass Kinder, die eine gute Tagesstätte besuchen, gegenüber
denen, die diese Möglichkeit nicht haben, einen Entwicklungsvorsprung von
bis zu einem Jahr haben. (FU Berlin) Auf die Sonderschule werden doppelt so
viele Kinder aus Migrantenfamilien überwiesen wie deutsche Kinder
(Kornmann, PH Heidelberg). Die GEW fordert deshalb (seit 1999),
die Kindergartengebühren abzuschaffen und dazu den Bund an der
Finanzierung zu beteiligen. 150 Jahre nach der Einführung der
Schulgeldfreiheit wäre die Einführung eines kostenfreien Kindergartens
Bildungsreform und sozialpolitischer Fortschritt. Wegen der zunehmenden Bedeutung der Frühförderung
müssen alle Kindertagesstätten Bildungseinrichtungen werden bzw.
bleiben, die pädagogische Qualität garantieren. Hierfür werden
qualifizierte Erzieherinnen mit entsprechender Ausbildung benötigt und
Finanzierungsmodelle, die Qualitätsmerkmale berücksichtigen. Deshalb ist
das derzeit in Bayreuth erprobte neue bayerische Finanzierungsmodell
in der derzeitigen Form, bei der Qualitätsgesichtspunkte überhaupt keine
Rolle spielen, abzulehnen! Die Ungleichheit setzt sich in der
Schule fort. Seit 1989 wird im Mikrozensus der Zusammenhang zwischen
Schulbesuch und Sozialstatus der Familie nicht mehr erhoben. (Warum
wohl?) Die folgenden Zahlen stammen daher von 1989, nach Prof. Klaus Klemm
gibt es aber keine Hinweise für gravierende Verschiebungen. 1989 stammten bundesweit 38% der Kinder
(im Alter von 13 und 14 Jahren) aus Arbeiterfamilien, 10,2% aus
Beamtenfamilien, 7,4% von Selbständigen (mit Beschäftigten). Während von den Arbeiterkindern 58,1%
eine Hauptschule und nur 10,7% ein Gymnasium besuchten, waren der Anteil
am Gymnasium bei den Kindern von Selbständigen 44,8% und bei den
Beamtenkindern 58,3%! Nach den neuesten 98er-Zahlen ist die
Zahl der Schulabgänger ohne jeden Schulabschluss weiter im
Steigen: Deutschland
1997
80.486 = 8,7 % der Gleichaltrigen
1998
83.000 = 9,1 % Bayern
1996
8,0 %
1997
11.574 = 8,9 %
1998
12.418 = 9,6 % (!) Das Nichterreichen eines
Hauptschulabschlusses hat natürlich besondere Konsequenzen für die
berufliche Ausbildung. Nur 20 % dieser Jugendlichen erreichen einen
Ausbildungsabschluss. Dabei sind junge Frauen und ausländische
Jugendliche weit überproportional betroffen. Es wäre höchste Zeit, dass in der
Qualitätsdebatte über unser Bildungssystem weniger über die
Spitzenleistungen und mehr über diejenigen diskutiert wird, die an eben
diesem Bildungssystem total scheitern. Oskar Brückner
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GEW-Oberfranken.
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